Seit 1983 sind French TV mittlerweile aktiv, doch in all den Jahren nie über den gut gehüteten Insiderstatus hinausgekommen. Die Musik der Mannen um Mike Sary scheint bisweilen für die Allgemeinheit wohl einfach zu sperrig, die Mischung aus Canterbury und Progressive / Jazz Rock ist wohl nichts für den Großteil der progressiven Anhängerschaft. Viel ändern wird sich daran auch nicht mit "This is what we do", wobei damit wieder viele Prog Anhänger einiges versäumen.
In ihrer ganz eigenen Nische fühlen sich French TV augenscheinlich pudelwohl, und da die Band eben auch noch über ein gehöriges Maß an Selbstironie (zu lesen und sehen jedes Mal in den recht köstlich gestalteten Booklets) verfügt, kommen sie einfach nochmals sympathischer herüber. Doch überzeugt auch der musikalische Gehalt auf "This is what we do". Von den hier vertretenen fünf Titeln (u.a. mit so netten Bandwurmtiteln wie "Theme from ESPN X-treme Cobalt Blue 4“x4 Bathroom Tile Installation Games") ist keiner unter acht Minuten lang, so dass mächtig Raum für komplexe und nervöse Wendungen, verschachtelte Arrangements, aber auch sinfonische Einflüsse ist. Vor allem durch die Gastmusiker Pam Thompson an Posaune und Steve Dale an der Trompete, aber auch diverse andere Blasinstrumente hat "This is what we do" mitunter was vom zappaesken Big Band Sound. Und auch wie bei einigen Zappawerken wird hier mitunter in einem Lied munter die Stilistik zwischen "normal" und "schräg" gewechselt, wobei French TV vor allem eine ganz gehörige Schippe Retro Prog mit ins Feuer werfen.
Dennoch haben die Amerikaner ein feines Händchen dafür, nicht nur auf anspruchsvolle "Musik für Musiker" zu setzen und beständig Gas zu geben, immer wieder finden sich bei ihnen auch angenehme Melodielinien und begeisternde Soli, ist hier eben nicht andauernde Hektik angesagt. Vor allem die im analogen Soundbereich verwurzelten Keyboards, wie auch das abwechslungsreiche Gitarrenspiel in allen Paletten zwischen aggressiv und schwelgerisch, macht einfach Laune. Das soll aber keineswegs davon ablenken, dass French TV sicherlich nichts für Leute mit schwachen Nerven sind, denn stetige Veränderung ist hier eindeutig Programm. Und das ist gut so!
Das Booklet verrät uns nämlich, dass es sich bei French TV nicht einfach nur um eine Progband, sondern um einen Teil einer dieser ominösen Geheimgesellschaften handeln soll! Weitere schockierende Einsichten werden bereit gehalten... Dabei liegen allerdings nicht Vergleiche zu den genannten aktuellen Bestsellern nahe, sondern eher drängen sich Referenzen zur skurrilen Illuminatus!-Trilogie aus den 70er Jahren oder den legendären Principia Discordia auf.
Tatsächlich vermeine ich auf diesem Album vermehrt mysteriöse Klanggebilde zu vernehmen. Aber bereits das zweite Stück Ska Face bringt bereits mit seinen – nomen es omen – Ska-Rhythmen Lockerheit in French TV typischer Weise. Das nahezu vollkommen instrumentale Album quirlt dabei wieder einmal nur so über von Ideen, die jazzrockig bis Zappa-mäßig entwickelt werden. Immer wieder gibt es aber auch ruhige Einschübe, sodass der Hörer auch mal Luft holen kann. Unterschiedliche Leitinstrumente wechseln sich thematisch abwechslungsreich ab. Sicher klingen French TV immer wieder auch schräg, aber auf eine sehr angenehme Weise, die auch Hörer, die sonst beim Stichwort Avantprog nervöse Zuckungen bekommen, positiv überraschen kann. Dies liegt vor allem an dem immer wieder präsenten musikalischen Humor und der Lockerheit mit der unterschiedlichste Motive zu einem dennoch in sich konsistenten Ganzen verbunden werden.
Ein rundum kurzweiliges und unterhaltsames Stück Musik, bei dem die
Zeit eigentlich viel zu schnell verfliegt. French TV sind auch bei
Album No. 9 immer noch ein Geheimtipp!
----BABYBLAUE REVIEWS, Rezensionen Von: Christian Rode @
Mittlerweile ist die Avantgarde Progressive Rock Kapelle French TV in
der Nachfolge Frank Zappas angekommen. Album Nummer neun zeigt wie
bereits das Vorgängerwerk "Pardon Our French!" den extrem komplexen und
bisweilen heftig atonalen Ansatz in der Komposition. Nicht nur Chef
Mike Sary (b), sondern auch Warren Dale (key, winds, reeds, mallets),
der vor auch schon wieder 3 vergangenen Jahren das geniale
Avantgarde-Werk "The Burden of Duplicity" veröffentlicht hat [das
deutlich schräger und viel extremer als der ausgefallendste Tropfen
Musik von French TV ist], ist ebenso als Komponist aktiv geworden. Zwar
gibt es auf "This Is What We Do" keinen atonalen Freerock, sondern
"nur" Avantgarde Prog mit viel Jazz im Blut, aber Dales Spuren sind
gelegt.French TV – Pardon our French!
(60:09, Pretentious Dinosaus Records, 2004)
Kentucky ist ja nicht gerade als
Proghochburg bekannt, doch seit den frühen 80ern treibt dort Mike Sary
mit wechselnder Mannschaft, aber inhaltlich ansteigender Form in den
Veröffentlichungen seiner Band French TV sein Unwesen. Unwesen ist ein
gutes Stichwort, den neben jeder Menge humoriger Titel und eigenartiger
Covergestaltungen, gibt es auf jedem Album immer wieder kritische Wort
zu den U.S.A. und deren Politik zu lesen.
Musikalisch
machen French TV da weiter, wo sie beim Vorgänger „The case against
art“ aufhörten. Ein unerhört interessanter Stilmix aus Progressive,
Canterbury und Jazz Rock, der jedes Genre in mehreren Facetten auslotet
und ebenfalls zu einem Kreuzzug durch alle Kulturen aufbricht. Ob
latein-amerikanische Einflüsse („Everything works in Mexico“),
orientalisches und asiatisches („Sekala dan Niskala“) oder eine Hommage
an die französische Progszene der 70er („The Pardon our French
Medley“), French TV fühlen sich überall gleichwohl, bleiben aber mehr
oder weniger tief im Progressive Rock verwurzelt. Auch wenn ihre Musik
nicht gerade leichte Kost ist, man manch vertrackte Wendungen und
Brüche aufbietet, bisweilen sehr schrägen Lärm produziert, so sorgen
ironisches Augenzwinkern für die gewisse Leichtigkeit, finden sich
immer wieder auch verspielte, fragile Momente zur Auflockerung wieder.
Bis auf das 17-minütige Franco Prog Medley, bei dem u.a. Ausschnitte
aus Stücken von Ange, Pulsar, Shylock und Atoll Verwendung finden und
welches von Natalie Nichole Gilbert mit einigen französischen
Textzeilen versehen ist, bleiben die Mannen von der Ostküste rein
instrumental, haben jedoch ihre instrumentale Bandbreite durch diverse
Gastmusiker an Trompete, Flügelhorn, Tuba und Posaune erheblich
erweitert, so dass die Führungsrolle von Gitarre und Keyboards bestens
ergänzt werden.
„Pardon our French!“ kann das hohe Niveau anderer French TV
Veröffentlichungen der letzten Jahre halten und überzeugt vor allem
durch seine Unvorhersehbarkeit. Ein wirklich starkes Stück!
-----Kristian Selm/PROGRESSIVE NEWSLETTER
BABYBLAUE REVIEWS---FRENCH TV8: PARDON OUR FRENCH! BY FIX SADLER
"Zur Sache, Schätzchen".
Das achte Album der Truppe um Mike Sary (mein erstes und sicher nicht
mein letztes) hält sich nicht lange mit Geplänkel auf. Pardon Our
French setzt uns sofort ins Zentrum der "Comic-Artigen"
Klanglandschaften der Jungs aus Kentucky. Die verrückt-zwirbelnden
Kompositionen sind eine "Ohren-Weide" für den offenen Proghead. Da gibt
es ergreifende Violinen-Soli, perlende Piano-Läufe, spannende
Bass-Arbeit und über allem schwebt der Geist der augenzwinkernden,
überbordenden Spielfreude. Getreu dem Motto "Everything Works In
Mexico" schaffen French TV eine Fiesta der anspruchvollen, aber niemals
anstrengenden Art. Vergleiche? Kaum möglich! Sicher hat das auch was
von dem kammermusikalischen Sound der großen Schweden Isildurs Bane,
aber damit würde man der Geschichte nicht gerecht. Denn hier wird auf
ungestüme Weise alles verarbeitet, was nicht "niet- und nagelfest" ist.
Rockpassagen, Ethnotouch, klassischer Prog, Jazz, Zappaeskes. Nur
symphonisch (sprich: bombastisch) wird es
eigentlich nie - das würde aber auch einfach nicht zu der locker-groovenden Mucke passen.
Meine Rezi ist hier nicht zu Ende, denn ich habe lediglich die Eindrücke des ersten Stückes beschrieben.
Mit Sekala Dan Niskala bewegt sich die Band in vorderasiatische
Bereiche. Hier fühle ich mich an Von Zamla erinnert, wobei es auch mal
leicht melancholisch werden darf. Dabei "piepst, zirrpt und quiekt" es
aber wieder allerorten, gerne darf es auch mal abgefahren werden - aber
nicht zu lange; an der nächsten Ecke lauert schon wieder ein neuer
Eindruck mit "frippigen Momenten", Akustik-Schlaggitarre und
"Handclapping".
Der nächste "Ethno-Song" ist das Pardon Our French Medley. Eine
Spezialität von French TV scheint das covern alter Progheroen zu sein.
Hier werden einige französische Bands miteinander so "verwurstet", dass
tatsächlich eine schlüssige, neue Komposition entsteht. Ich selber
kenne nur den ersten Part, den die Truppe bei Ange entliehen hat. Ohne
das Stück all zu sehr zu verändern, hauchen sie La Bataille Du Sucre
den "French TV Sound" ein. Das Medley ist in seiner Gesamtheit etwas
"dramatischer" als das sonstige Material. Dennoch bleibt sich die
Truppe treu und verwöhnt uns mit einigen musikalischen Spielereien und
dem erstmaligen Einsatz von Gesang. Größtenteils (bis auf "Manic
Laughter" oder andere lautmalerische Sequenzen) bleibt die Musik von
French TV aber instrumental.
Mit Tears Of A Velvet Clown geht es auf den Jahrmarkt. Flöten,
Trompeten, Tuba - Kirmesatmosphäre. Humpa-Rhythmus, Geige, Marimba,
Akkordeon - Zirkus-Stimmung. Eine 13-minütige Achterbahnfahrt, wie eine
"geraffte" Version vom Flying Food Circus. Überall entdeckt man kleine
Details. Eingeworfene Saxophon-Phrasen deuten Jazz an, Schlagzeuger
Jeff Gard spielt gefühlvolle Beckenpassagen, dann wieder groovende
Rhythmen und erinnert in seiner Spielweise an einen gewissen Phil
Collins, als dieser noch volles Haupthaar hatte. Improvisationen werden
angedeutet, aber nicht "totgenudelt" - das ist einfach "bärenstark".
Jetzt bin ich einmal so weit, dann will ich konsequenter Weise auch den
(schon) letzten Track des Albums beschreiben. When The Ruff Tuff
Creampuffs Take Over (die Titel klingen schon wie die Musik) bringt uns
French TV "light", d.h. ohne irgendwelche Gastmusiker. Das Stück wirkt
auf mich psychedelisch und "frei". Die Keyboards werden
ein wenig penetrant "piepsig" eingesetzt (vielleicht der einzige
"Schwachpunkt" auf dem ganzen Album - immer mal wieder darf Warren Dale
"rumquietschen", was meist nicht so negativ ins Gewicht fällt, da es
selten vorkommt und zum Stil passt), und irgendwo ist dieser Track der
Unverdaulichste. Dennoch gibt es auch hier spannende Passagen, es darf
gelegentlich gerockt werden und von "unhörbaren Experimenten" kann man
keineswegs reden. Ein weiteres (minimales) Haar finde ich auch noch in
der Suppe. Der Gesamtsound des Albums ist mir ein bisschen "hoch" - ich
mag es immer ein bisschen "dumpfer", erdiger... Reine Geschmackssache.
Pardon Our French ist ein durch und durch faszinierendes Album
geworden, das bei all seiner Komplexität niemals den Song aus den Augen
verliert, rockt, Spaß macht, unheimlich locker "unsere Musik" von ihrer
besten Seite präsentiert. Das sind 60 Minuten pures Vergnügen,
Musikalität auf höchstem Niveau und eine Reinhörempfehlung
für Progger, deren Horizont nicht bei symphonischem Schönklang aufhört.
Ich ziehe meinen Hut (und besorg mir den Rest von der Truppe ;))
Anspieltipp(s): Everthing Works In Mexico
Vergleichbar mit: keine Ahnung; aber Achim hat einen Text vom Vorgänger zitiert, das passt!
Eingegeben am: 11.7.2004
Letzte Änderung: 11.7.2004
Wertung: 13/15
BABYBLAUE REVIEWS----FRENCH TV8: PARDON OUR FRENCH!
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Von: Udo Gerhards @ (Rezension 2 von 2)
French TV sind ein Phänomen. Stetig, wenn auch mit relativ langen
Pausen zwischen den Alben, veröffentlichen die Amerikaner rund um
Bassist Mike Sary ein Album nach dem nächsten (inzwischen sind sie bei
Nummer 8 angekommen), die obendrein auch noch immer besser zu werden
scheinen.
Pardon Our French zeigt French TV abwechslungsreich wie eh und je.
Vielleicht ist der Canterbury-Einfluss ein wenig zurück gegangen, auch
Frank Zappa regt sich seltener in seinem Grab. Dafür gibt es immer noch
jede Menge patentierten Spass verpackt in aufwändigen (teils mit
Bläsern, Geige, Percussion, verschiedene andere "exotische"
Instrumente) Arrangements, komplexen durchkomponierten Irrsinn,
latin-angehauchtes Geschrammel ("Everything Works In Mexico"),
Asiatisches zwischen Arabien, Indien und Gamelan ("Sekala an Niskala")
oder surreale Kirmes- und Zirkusklänge ("Tears Of A Velvet Clown").
Das titelgebende ("Pardon Our French" heisst übersetzt übrigens etwa
"Entschuldigen Sie unsere Ausdrucksweise/unser Fluchen") Medley
versammelt einige mehr oder weniger obskure Stücke klassischer
französischer Prog-Bands. Soweit ich die entsprechenden Nummern kenne,
bleiben French TV dabei erkennbar nah am Original, ohne jetzt
allerdings sklavisch an Sound und Spielweise zu kleben.
Allerdings möchte ich bei soviel Lob auch die beiden Kritipunkte nicht
vergessen, die mich daran hindern, das Album noch eine Stufe höher zu
bewerten, womit es endgültig bei den Top-Platten dieses Jahres
angekommen wäre. Zum einen habe ich manchmal das Gefühl, die ein oder
andere Passage hätte bei den Aufnahmen noch einen Durchlauf mehr
vertragen können; manches klingt von der Rhythmik her nicht so
hundertprozentig exakt und zusammen, "tight", wie es für optimale
Wirkung sein müsste. Ausserdem benutzt Keyboarder Dale immer wieder
Plastik-Synthesizer-Fanfaren-Sounds, die direkt aus den 80er Jahren zu
stammen scheinen und arg käsig wirken. Mir graust's dabei, aber andere
Geschmäcker könnten sich daran vielleicht überhaupt nicht stören.
Dennoch, von diesen - kleineren - Schwächen abgesehen: wer sich für
ansatzweise schräge Musik mit Teilen, Wendungen, Irrungen, Wirrungen
sowie aufwändiger Orchestrierung und viel Spielfreude und Humor
interessieren könnte, sollte auf jeden Fall mal reinhören. French TV
haben immer noch einen Insider-Status, der inzwischen
angesichts der letzten drei exzellenten Alben wirklich unverdient ist.
Anspieltipp(s): Everything Works In Mexico, Tears Of A Velvet Clown
Vergleichbar mit:
Eingegeben am: 21.7.2004
Letzte Änderung: 21.7.2004
Wertung: 12/15
RAGAZZI REVIEWS: FRENCH TV8--PARDON OUR FRENCH!
Obwohl French TV alles "richtig" machen, sind und bleiben sie, selbst
in der Progszene, wo sich die Freaks mit dem Hang zum Ungewöhnlichen
und Ausgefallenen sammeln, ein Geheimtipp. Das liegt zu einen gewiss an
ihrer Herangehensweise, die nicht wenige "schräge" Parts und Passagen
einbringt. Vielleicht auch an nicht leicht eingehenden Arrangements.
Dabei sind ihre Songs lang (ohne zu lang zu sein oder zu wirken),
symphonisch und mit allem Beiwerk geschmückt, dass den Prog Freak
entzückt. French TV bringen viel komisches Liedgut zusammen. Ethnische
Motive kreuzen Univers Zero - Attacken, Genesis/YES/King
Crimson-Artiges fügt sich zu bombastischer Note, dynamische
Arrangements steigern die Spannung und bauen sie wieder ab,
vielschichtige Melodien und nuancierte Soli umgarnen die Song-Motive,
wenig Raum bleibt für Improvisation, alles wirkt strukturiert und mit
Liebe und Hingabe an seinen besonderen Platz gebracht. "Pardon Our
French!" ist bereits die 8. Produktion der Amerikaner. Um die 5 Songs
(in 60 Minuten) ganz aufnehmen zu können, muss man die CD (und das ist
absolut keine Anstrengung) mehrere Male hören. Dabei eröffnet sich nach
und nach eine mitreißende Musik. Kraftvoll im Spiel, trotz aller
Verspieltheit ordentlich rockend und sehr inspiriert und gewandt in der
Melodiesprache, ziemlich sehr komplex und verflixt verzahnt machen die
Songs den Eindruck, sie könnten auch in klassischer Instrumentierung
samt entsprechendem Arrangement funktionieren. French TV spielen ebenso
Symphonik wie Chamber Rock, fügen Töne zu Songs, die erhaben und würdig
klingen. Ihre hoch komplizierten Songs sind nur eines nicht: leicht.
Die schwere Kost macht nur dann Freude, wenn man Lust hat, solch
anspruchsvolles Liedgut zu hören. Wer es schafft, diese "Hürde" zu
nehmen, sich in komplizierte Strukturen zu wagen, gewinnt mit jeder
Stufe, die er erklimmt. Die Sinne begreifen plötzlich viel mehr in der
Musik und das Gefühl für Klang und Ton schwebt wie ein UFO am Himmel.
Die Jungs um Mike Sary (b, etc.), als da wären Chris Smith (g, vi,
etc.), Warren Dale (key, saxes, cl, fl, etc.) und Jeff Gard (dr, perc,
etc.) samt einiger Gäste nehmen jedoch nichts zu ernst und äußern das,
indem sie jede Menge komischer und witziger Sachen einbauen,
instrumentale Höhepunkte und sich entwickelnde "Schrägheiten" mit Sinn
für lässige Schrulligkeiten. Neben 4 eigenen Stücken gibt es auf Nr. 8
"The Pardon Our French Medley", in dem sie einige französische
Prog-Klassiker in ihre eigene Musiksprache übersetzen, ohne die
Urstücke zu ruinieren oder sich darüber lustig zu machen. Songs von
Ange, Pulsar, Shylock, Carpe Diem, Atoll und Etron Fou Lelouban sind zu
einem langen Stück verschmolzen, die Songs sind zu erkennen, aber nicht
im Ansatz einfach nur nachgespielt. Hier wird etwas wirklich Neues
daraus, das erstaunlich homogen klingt - und kein Stück französisch!
Und sieh mal an - da spielt die Band plötzlich doch "Tears of a Velvet
Clown" von Warren Dale, das dieser gerade auf seinem ausgezeichneten
Solo-Werk "The Burden of Duplicity" veröffentlicht hat! Rockiger als
dort, formaler, aber längst nicht gewöhnlich. Die Komposition ist
genial, die Einspielung (schön, das Stück gleich in zwei Versionen zu
bekommen!) urkomisch und lustig, dabei sehr vital und frech wie Oskar.
Welch Glück, das hören zu dürfen! Jungs, hört nicht auf, Musik zu
erschaffen. Ihr seid echt gut drauf! (Lauter Ausrufungszeichen!) French
TV sind eine inspirierte Band, mehr, als dieser simple Ausspruch sagen
kann. Zudem ist die Band politisch korrekt, jede CD hat immer eine
politische Aussage abgedruckt, gut zu wissen, dass in den USA (dem für
mich nicht freiesten Land der Erde) nicht nur Bushmänner rumlaufen.
Pflichtprogramm!!
----VOLKMAR MANTEI; RAGAZZI
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French TV - 7: The Case Against Art (54:47, Pretentious Dinosaur Records, 2001)
Mit ihrer siebten CD liefern French TV, die Band um Leader Mike Sary,
ihr vielleicht ausgereiftestes, stilistisch wieder sehr vielschichtiges
Werk ab. Der Band aus Kentucky gelingt es mühelos und in Leichtigkeit
zwischen komplexen Progressive Rock, druckvollem, verspieltem Jazz Rock
und jeder Menge sanfter Zwischentöne hin- und herzuwandern. Oder um die
eigene, augenzwinkernde, selbstironische stilistische Beschreibung der
Band zu benutzen: "modern American south regional
post-Canterburian-influenced progressive rock". Und so sind bei French
TV nicht nur Gitarre und Keyboards die nach vorne strebenden
Instrumente, auch jede Menge
Blasinstrumente (Saxophon, Flöte, Trompete) und Violinenparts finden sich im ganz eigenen Stil Wirrwarr wieder.
French TV haben es ihren Hörer noch nie leicht gemacht, aber auch
gerade dies begründet wohl auch die musikalische Qualität dieser Band
und selbstverständlich die Tatsache, dass es sich bei ihren
Veröffentlichungen, um Alben für ein wirklich spezielles, fein
ausgewähltes Zielpublikum im Progressive Rock Bereich handelt. Keine leicht
Kost also, aber egal, wer möchte schon den grausigen Mainstream Brei
aus dem Radio hören? So gibt es gewollte Brüche zwischen richtig
relaxten Passagen, die auf einmal in sprunghaften Jazz Rock münden oder
man lässt es sogar schon fast schon punkig krachen. Gerade durch die
Verbindung von Jazz Rock und Progressive Rock mit
dem typischen Canterbury Einfluss, wirkt manches sehr an Happy The Man
angelehnt, nur noch eine Spur durchgeknallter und versponnener. Und der
eigenen Tradition von Interpretationen diverser Coverversionen auf den
Vorgängeralben folgend, hat man sich dieses mal mit "Partly the state"
schon fast logisch einen alten Happy The Man Titel von 1974 vorgeknöpft.
Wieder mal eine hörtechnische Herausforderung für Unerschrockene, mit
der French TV konsequent und unerschrocken, ihren ganz eigenen Weg
abseits jeglicher Trends und aller Strömungen gehen.
KRISTIAN SELM-PROGRESSIVE NEWSLETTER
RAGAZZI REVIEWS: FRENCH TV 7-THE CASE AGAINST ART
French TV waren bisher immer
für überraschungen gut. Aber so gelungen wie Album Nr. 7 ist ihnen
vorher noch keines. Von der ersten bis zur Ietzten Minute ist dieses
überaus humorvolle, witzige, vor Charme sprühende Album eine
Ohrenfreude ganz exquisiter Art. (Das muss ich sagen, die Band bezahlt
mich dafür.) Längst ist nicht alles nur schräg, heftig oder abstrakt -
erstaunlicher Weise gibt es eine Fülle melodischer, harmonischer
Finessen zu hören - die natürhich von einer ausgekochten Mannschaft
disharmonischer, genüsslich inszenierter Virtuositäten umspielt werden.
Der Opener "That Thing On The Wall" ist eine wilde, freche und
fabelhaft künstlerische Aussage zum Thema Gentle Giant, das sich in
einem schier wahnsinnig werdenden Poltergeist der humorig hüpfenden
Noten zu elegischer Schwere melanchohisch senkt, um hauchdünn und zart
über den Boden der Ohren zu schweben; eine Symphonie, betäubend für die
Sinne und befreiend für die Ohren. Das Stuck scheint zu schreien: genug
der
alltäglichen und hinlänghich bekannten Strukturen, die den Progressive
Rock zukleistem! Dazu bedarfes keiner aus dem Ruder gelaufenen Free
Rock Passagen, sondern nachvollziehbarer, klarer Strukturen, strikt
komponiert und mit Charme und Verve gespielt. Das folgende "Viable
Tissue Matter" ist ein symphonisches Stück, das episch
ausgerichtet leise beginnt und sich jazzverliebt kraftvoll entfaltet,
dabei aber nicht in schräge Gefi Ide abdriftet, sondern melodisch und
erstaunlich gezügelt zu Werke geht. "Partly The State" wiederum ist von
dem hintersinnig-virtuosen Schalk bestimmt, der schon den Opener so
ausgezeichnet geraten ließ. Hier fügen sich die Strukturen wieder
symphonischer; erstaunlich, wie dicht an den Klassikern der 7Oer gebaut
wird, ohne einer Band, einer Vorstellung von bereits vorhandener Musik
zu nahe zu kommen. Und siehe da, es gibt Gesang. Die beiden ersten
Songs waren rein instrumental und ließen in ihrer vielschichtigen und
wahrhaft komplexen Struktur keinen Gesang vermissen, aber wie "Partly
The State" plötzlich diese bildhübsche Gesangslinie entfaltet, mit
einem Ieicht verhaliten Flötenton im Off, das hat einfach unglaublich
hinreißenden Charme. "One Humiliating Incident After Another"
schließlich hat eine etwas freiere Struktur, die kühlen Jazz ebenso wie
zeitgenössisch ernste Fig uren einbezieht - nur urn daraus einen
abgedrehten und urkomischen Rock zu machen, der progressiver,
komplizierter, anspruchsvoller (gehen mir denn nie die Worte aus) nicht
sein könnte. Zumal sich kleine Folklore-Splitter aus dem fernen
Russland und dem Balkan mit nettem Ausdruck in den Song verirrt haben,
die das ganze noch weitläuflger und interessanter machen. Der letzte
Song (vergaßich zu erwähnen, das zwei Songs knapp unter und die drei
anderen reichlich über lO Minuten lang sind?) "Under The Big W" läßt
eine junge Dame mit reichlich Hall in der Stimme auf deutsch erzählen -
-was nicht so recht zu verstehen ist was zum einen an der
amerikanischen Aussprache und zum anderen an der Lautstärke der
agierenden Instrumente drumherum (schönes Wort, nicht?) liegt. Der
leicht nach Polka riechende Song ist eine aberwitzige und urkomische
Variante schrägster Vorstellungen harmonischen Symphonic Rocks. Nach
dem Genuss von "The Case Against Art" frage ich mich, ob ich jemals
zuvor eine so angenehme, kurzweihige, komische und dabei so
anspruchsvolle und interessante Platte gehört habe. Ich will nicht
zuviel verraten, soviel sei jedoch gesagt (und wer nur irgend ein
Interesse an progressiver Rockmusik hat, sollte diesen Tipp nicht
missachten): die 7. von French TV ist Pflichtprogramm. (Das muss ich
sagen, die Band bezahlt mich dafür.) Die Platte des Jahres! Nicht
weniger.-------------Volkmar Mantai; RAGAZZI
French TV -3: Virtue in futility (55:17, Pretentious Dinosaur Records, 1994)
French TV - 4: Intestinal fortitude (71:03, Pretentious Dinosaur Records, 1995)
French TV - 5: Live Yoo-Hoo!!! (69:41, Pretentious Dinosaur Records, 1997)
French TV - 6: The violence of amateurs (65:59, Pretentious Dinosaur Records, 1999)
Bereits
seit 1983 arbeitet der Bassist / Bandleader Mike Sary mit wechselnden
Besetzungen unter dem Projektnamen French TV. Herausgekommen sind dabei
sehr vielschichtige Alben, die mehr ein Momentaufnahme der jeweils
aktuellen Band sind und stilistisch von Canterbury Sound, R.I.O.,
sinfonischem Progressive Rock bis hin zu Fusion, sowie freier
Improvisation reichen. Dementsprechend sind die Kompositionen mal
fordernd, komplex, abstrakt, kö nnen auf der anderen Seite aber auch
sehr eingängig und melodisch sein. Dazu gesellt sich ein nicht
unerhebliches Maß and Ironie und Humor, was der Musik etwas die Schärfe
nimmt. Zur Kritik liegen nun die vier letzten von insgesamt sechs
Veröffentlichungen der amerikanischen Band vor, die die
Schaffensperiode der 90er abdeckt.
Dass in der Zeit von 1987-1990 aufgenommene dritte, rein instrumentale
Album "III-Virtue in Futility" ist der Einstieg in eine ganz eigene
musikalische Welt, die sich über weite Strecken als recht fordernd
erweist, immer wieder komplexe, eigenartige Verrenkungen vollführt, die
aus der schon vorher angesprochenen Stilvielfalt etwas ganz
Neues entstehen lässt. Neben 'normalen' Rockinstrumentarium bekommen
vor allem verschiedene Blasinstrumente (Saxophon, Trompete) jede Menge
Freiraum eingeräumt, so dass es auch mal in vö llig freie Jazz
Akrobatik abgleitet. Dass, was die Stärke von French TV ist, nämlich
keine Grenzen zu ziehen, ist zugleich auch die Herausforderung. Hat man
sich gerade durch einen ziemlich schrägen Improvisationsteil
durchgekämpft, wird man mit gefangennehmender, melodischer Schö nheit
wieder eingeholt.
Der Nachfolger "4: Intestinal Fortitude" teilt sich zur Hälfte in
Canterbury / R.I.O. / Fusion Stücke auf, die auch mal in typische Samla
Mammas Manna Kirmesmusikmentalität oder Zappaeske Spielereien
abrutschen, sowie zu anderen Hälfte in direkten, fordernden Progressive
/ Art Rock. Die Kompositionen sind sehr vielschichtig, und umfassen ein
Spektrum, welches bis hin zu sehr spartanischen, verträumten
Akustikparts reicht. Der Zuhö rer bekommt jede Menge Material zum
tieferen Eintauchen in die äußerst interessante Welt von French TV. Zum
ersten mal wird auch Gesang bei French TV verwendet, wobei Schlagzeuger
Bob Douglas stimmlich und von der Intonation sehr stark an Peter
Hammill erinnert. Fast schon logisch, dass eine sehr wuchtige VdGG
Coverversion "Pioneers over 'C" das Album beschließt. "4: Intestinal
Fortitude" ist der sicherlich das am meisten im Progressive Rock
verwurzelte Album und kann somit bestens als Einstieg empfohlen werden.
Auf dem ersten Livealbum der Band "Live Yoo-Hoo!!!" zeigen die vier
Amerikaner, dass sie auch auf der Bühne ihre Musik grandios umsetzen kö
nnen. Interessantweiser wurden ausschließlich die komplexeren Titel der
vorangegangenen Studioalben ausgewählt. Einfach unglaublich mit welcher
Präzision sich selbst durch die komplexesten Passagen durchgehangelt
wird, aber dadurch dass die etwas leicht verdaulicheren Songs bzw.
Parts fast vollständig weggelassen wurden, ist diese komprimierte Form
musikalischen Wahnsinns auf Dauer einfach zu viel. Dass zahlenmäß ig
recht dürftig vertretende Publikum ist dies aber offensichtlich vö llig
egal. Die kleine, aber
feine Menge rastet im kollektiven Enthusiasmus richtiggehend aus.
Doch auf dem aktuellsten, wieder rein instrumentalen Album "The
Violence of Amateurs" werden die Grenzen noch weiter ausgelotet. Wer
bisher glaubte, dass man komplexen Bombast, Jazz Rock, Bossa Nova, 50er
Jahre Filmmusik mit Quietscheorgel, Surf Sound, guturalen
Stammesgesang, Militärmusik, Free Jazz, Big Band Passagen, groovende
Rhythmen und griffigen, krachenden Rock nicht ziemlich verquer
vermischen kann, wird hier eines besseren belehrt. Dieses Album ist
sicherlich der bisher abenteuerlichste Versuch etwas Neues zu
erschaffen. Und so reichen die eigenen Empfindungen dann auch von
überraschtem Erstaunen, totaler Begeisterung ("The Odessa Steps
Sequence" ist ein grandioser, progressiver Knaller par excellence) bis
hin zu blankem Entsetzen. Ein Album für offene Ohren auf der Suche nach
Neuartigem, dass sich nach einem extremen Beginn doch noch etwas fängt
und zumindest aber der Hälfte wieder eine einheitliche Linie erkennen
lässt.
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- - - - - - - - - - - - - - - - - -KRISTIAN SELM-PROGRESSIVE NEWSLETTER
RAGAZZI REVIEWS FRENCH TV 1
Das Debut auf CD! French TV gab
es seit 1980. Bis sich eine feste Formation gefunden und diese Band
ihren. Stil ausgearbeitet hatte, vergingen em paar Jahre. 1983 wurden
diese 9 Stücke eingespielt und im drauf folgenden Jahr auf LP in einer
limitierten Stückzahl von 500 verö ffentlicht. Musikalisch orientierte
sich die Band damals schon an den
ganz Großen des Progressive Rock. Abstraktes Potenzial war vorhanden.
Die Kompositionen hatten nicht die Qualität wie heute. Dennoch sind die
Songs reizvoll. Ausgedehnte Keyboardpassagen turnen auf komplexen
Rhythmen. Der Bass arbeitet schon jenseits schlichter Pfade. Gitarre
und Schlagzeug probieren schwere Figuren.
Sehr interessantes konstruktives Monument!
"Virtue in Futility" "Intestinal Fortitude" "Live Yoo-Hoo!!!
Die Amerikaner French TV
beziehen ihre Inspiration aus dem großen Fundus des Progressive Rock.
Haben sie auf einem frühen Album noch Bands wie Gentle Giant, PFM und
Genesis angegeben, dürfte sich die heutige Quelle deutlich King Crimson
nennen. Doch French TV machen nichts nach, sondern erobern mit ihren
Songs ein neues Delta
zwischen RIO und Progressive Rock. Jazzrock-Kompositionen treffen auf
heftigen Rock, Zirkusmusik trifft auf Kindermelodien, atonale Ausbrüche
verweben mit melodischen Parts und tolle Soil adeln diesen eklektischen
Ausdruck weitschweifigen Musikinteresses. Chef dieser Schmiede ist der
Bassmann Mike Sary, der mit verschiedenen
Besetzungen diesen urigen Kosmos irrationaler und phantasievoller
Rock-Geschichten erzählt. Hinter so manchen Ideen steht zappaesker
Humor und soziales Engagement, dem sich die Band im booklet
verpflichtet. Wer herkö mmliche Musik mag und kein Verständnis für
überbordende Kompositionen hat, wird bier nicht bedient. Wer über Mainstrem hinaus denkt, findet bier ein Zimmer seines Zuhause.
"The Violence Of Amateurs"
Das neue Album der
Avantgardisten stellt sämtliche Vorgängerwerke der Band locker in den
Schatten. Hatten die 5 ersten Alben schon qualitativ hochwertigen
abstrakten Rock zu bieten, ist "The Violence Of Amateurs" mit
ausgezeichneten Kompositionen, rhythmischen Akzenten und viel Humor
eine Steigerung gelungen. Zu oft sackt das musikalische Vermögen
etlicher Bands nach 2 bis 3 Alben ins Bodenlose. French TV legen hier
erst los. Allein dan knapp 5-minütige "The Kokonino Stomp" mit seiner
virtuosen Natur wälzt sich überaus locker, leichtfüßig und
quicklebendig aus den Boxen, trotz übernatürlicher Komplexität. "The
Secret Life Of Walter Riddle" nimmt den
Faden in gleicher Weise auf und versteht es, den Hörer in Erstaunen zu
versetzen. Nicht nur, dass dieses überborden an Ideen fasziniert, der
stete Wechsel der Lead-Instrumente erstaunt viel mehr. Die technische
Reife und dan kompositorische Vermö gen erinnern denn auch des ö fteren
an Gentle Giant. Höhepunkt der CD ist "Joosan Lost/The Fate" mit über
21 Minuten von den Samla Mammas Manna. Da verflicht sich ein
Lebenssaft, der mit Ausgefeiltheit, Dynamik und überschäumender Energie
reichlich gesegnet ist. Album Nr. 7 wird noch vor dem Sommer
veröffentlicht
FRENCH TV: INTESTINAL FORTITUDE (cd, "Pretentious Dinosaur")
War das Vorgängeralbum noch rein instrumentaler und eher jazziger
Natur, so präsentiert sich "Intestinal fortune" schon wieder ganz
anders. Das Album weist viele Spielereien auf, insbesondere die
zahlreichen Zirkusmusik-ähnlichen Karusellfahrten verleihen dem Album
einen völlig eigenständigen Touch. Zu hören gibt es Progrock der
unteren Sonderklasse mit einem Sänger, der nicht selten an Peter
Hammill erinnert. Die Stärke von FRENCH TV kommt auch auf diesem Album
wieder zu Tragen: Die Kompositionen von Tony Hall und Mike Sary
schaffen es immer wieder, den Hörer nach anstrengenden Parts sanft im
Arm zu wiegen und väterlich zu behüten, egal ob mit Keyboards oder
schönen Akustikgitarre-Klängen. Paradebeispiel: das Opus Perseids, das
jetzt schon ein FRENCH TV Klassiker sein dürfte. Das Album endet
übrigens würdig mit dem VAN DER GRAAF GENERATOR-Cover Pioneers over
'C'. Leider trübt der Gesang auf diesem Track und zum Ende von
"Perseids" ein wenig die Freude an diesem Album. Daher gibts einen Punk
Abzug. Trotzdem ... leckere, nicht alltägliche Kost für den
Prog-Verzehrer.
FRENCH TV: VIRTUE IN FUTILITY (cd, "Pretentious Dinosaur")
Das dritte Album dieser außergewöhnliche US-Band ist ein rein
instrumentales Meisterwerk progressiver Kunst. Die Musik entwickelt
sich stets, dreht sich kontinierlich weiter, entfaltet weite Räume und
pendelt eigentlich dauernd zwischen mitreissendem Jazzprog,
Prog-Improvisation und wunderschönen Harmonien, die insbesondere von
Trompete, Saxophon oder Violine in gänsehautfördernde Ekstase
gesteigert werden ... alleine The family... rechtfertigt die sofortige
Kontaktaufnahme mit dem guten Mike und die Bestellung der CD. Sorry,
aber gegen dieses Instrumentalwerk erscheinen SMPT wie selbstverliebte,
ideenlose Amateure. FRENCH TV ist ZAPPA meets AFTER CRYING meets KING
CRIMSON meets Jazz meets beautiful melodic rock. Fesselnder
Ohrenschmaus und daher uneingeschränkte Höchstpunktzahl ! Leute ...
Pflichtkauf !
BABYBLAUE REVIEWS-FRENCH TV-THE VIOLENCE OF AMATEURS
Mit "The Violence Of Amateurs" liegt das nunmehr sechste (die Live-CD
"Yoo-Hoo!!!" mitgezählt) Album des amerikanischen Projekts um Bassist
Mike Sary vor. Wobei 'Projekt' vielleicht inzwischen gar nicht mehr
passend ist, da sich ein recht fester Stamm an musikalischen Partnern
herzukristallisiert haben scheint: Gitarrist Dean Zigoris ist bei allen
Songs mit von der Partie, er darf sich sogar bei zweien ("The Secret
Life Of Walter Riddle", "Mail Order Quarks") als (Mit-)Komponist
eintragen. Auch Drummer Bob Douglas und Keyboarder John Robinson sind
die meiste Zeit mit an Bord, ansonsten lassen sich Sary und Zigoris von
weiteren Mitstreitern an verschieden Instrumenten ergänzen."The
Violence Of Amateurs" ist eine Platte geworden, der man anmerkt, dass
Sary & Co. das Genre "Progressive Rock" lieben, aber dabei nicht zu
ernst nehmen. Pomp & Circumstance, Schwulst, Pathos und Bombast
sucht man hier vergebens. Stattdessen nehmen sich "French TV" in ihrer
instrumentalen Musik eher den verschmitzten Humor von Canterbury Bands
wie "National Health" und "Hatfield And The North" zum Vorbild und
schaffen es wie diese, Witz, Komplexität und Jazziges mühelos zu
verbinden. In manchen heftig-schrägen Ausflügen liegen vielleicht auch
Frank Zappa oder Bands der RIO-Bewegung ("Rock In Opposition") nahe.
Sary's "The Kokonino Stomp" legt gleich grossartig los: fetzige,
zerissene, jazzige Linien Linien in einem kleinen Saxophon-Satz, dazu
humorig-seltsame Keyboardeinwürfe (Klingel-Sounds, Geister-Uhus),
Banjo-Solo und Salon-Piano-Sound,und spätestens nach dem kurzen
'Uga-chaka-uga-chaka'-Urwald-Vokalteil liege ich lachend am Boden.
Grandios! Und mit Zigoris' "The Secret Life Of Walter Riddle" kommt
gleich das nächste Highlight: eröffnet mit einem schrägen gepfiffenen
Marsch, den man danach tagelang nicht aus dem Gehörgang bekommt, auch
auf die Gefahr hin, dass einen die Menschen in der Münchner U-Bahn ob
des seltsamen Gepfeifes komisch anstarren... Danach oszilliert der Song
zwischen Jazzigem, Hardrock-Sound und Surfmusik, und ich fühle mich
wegen der bizarren Mischung an "Mr.Bungle" erinnert, und ich meine das
als Kompliment. "The Odessa Steps Sequence" ist dann die erste
Cover-Nummer, im Original ein Song der US-Progger "Volare", deren
Schlagzeuger Brian Donahue auch auf zwei Songs von "The Violence Of
Amateurs" zu hören ist. Dies ist die von der Komposition her vielleicht
am herkömmlichsten proggige und am wenigsten seltsame Nummer der
Platte, wenn auch im typischen schlanken Sound der Band dargeboten.
"Mail Order Quarks" gibt sich dann sehr jazzrockiges, leicht-füssig
schwebend, im ersten Teil erneut mit Saxophonunterstützung, im zweiten
Teil mit Violine. Weiter geht's mit Sary's zweiter Komposition, "Tiger
Tea", die inklusive Karibik-Feeling am Anfang in die gleiche seltsame
Keule schlägt wie "The Secret Life Of Walter Riddle": schräg, witzig,
spacig, jazzig, you name it. "Joosan Lost/The Fate" ist dann das
zweite, mehr als zwanzig Minuten lange Cover, diesmal von einem Stück
der schwedischen RIO-Veteranen "Zamla Mammas Manna", das sich aber
perfekt in den "French TV"-Soundkosmos hineinpasst: los geht's mit
coolem, witzigem Quasi-Tango-Sound, aber nach und nach mündet die
Nummer in minutenlangen, heftigsten kollektiven Freiformübungen, bevor
der 'Tango'-Teil wieder aufgenommen wird.Insgesamt ist "The Violence Of
Amateurs" ein enorm unterhaltsames Album, dessen durchaus abgefahrene
schräge Impros und übel komplexe Teile durch viel Charme und
'Spass-inne-Backen' hervorragend balanciert werden, so dass ich Euch
nur empfehlen kann, mal reinzuhören.
BABYBLAU REVIEWS-FRENCH TV: LIVE-YOO-HOO!!!
-Als sich für das Projekt "French TV" des amerikanischen Bassisten Mike
Sary immer mehr eine feste Besetzung ergab, lag es nahe, auch live
aufzutreten. Ein Mitschnitt im eines Konzertes im November 1995 ergab
das vorliegende Album, wobei ein paar Soundeffekte / Samples
nachträglich im Studio dazu gebastelt wurden. Geboten werden Songs von
den ersten vier "French TV"-Alben (momentan sind die ersten beiden
leider nicht erhältlich. Musikalisch zeigen sich "French TV" als gut
eingespielte Einheit, die die anspruchsvollen instrumentalen
Kompositionen souverän meistert, auch wenn ein gewisses lockeres
Feeling vorherrscht, das sich aber auch auf den Studioplatten findet.
Auch live zeichnen sich "French TV" durch die mühelose Kombination von
schrägen, komplexen Kompositionen mit Canterburyund Zappa-Einschlag mit
vielen verschiedenen Teilen aus und jazzigen Klängen, bei denenhäufig
und unvermittelt der Stil wechselt: von abgefahrener freier
Improvisation geht es zurPolka, vor dort zu feinem Jazzrock, von dort
zu einem Marsch. In den aberwitzigen übergängenzeigt sich ebenso wie in
den grandiosen Songtiteln ("Hey! REAL Exectutives Jump From The
Fiftieth Floor!"...) der allgegenwärtige Humor der Band, ebenso im
Cover der Live-CD, das zeigt, wie ein Haufen Schweine nasezuhaltend aus
einem "French TV"-Konzert fliehen...Im Allgemeinen ist der Sound der
Band eher ruhig und fliessend, auch bei den hektischeren Stellen, aber
abundan wird auch schon mal ein Gang höher geschaltet und es wird etwas
rockiger (in "The Souls Of The Damned Live In Failed Works") oder
heftiger-schräger ("And The Dead Dog Lept Up And Flew Around The
Room"), und manchmal wird es sogar fast symphonisch schön (auch in "The
Souls Of The Damned Live In Failed Works"), aber man weiss halt nie,
was um die nächste musikalische Ecke auf einen zukommt. Siehe z.B. "The
Artist's House", eigentlich ein schönes ruhiges Stück mit einem
wunderschönen Klavier-Intro, bis die Band plötzlich das Hauptthema als
Reggae wiederaufnimmt...Naturgemäss sind die Arrengements wegen der
fehlenden Gastmusiker nicht ganz so ausgeklügelt komplex wie z.B. auf
der nachfolgenden Studio-LP "The Violence Of Amateurs", aber das machen
"French TV" mit Spielfreude und Enthusiasmus wett. Lediglich die
Keyboardsounds sind mir persönlich oft etwas zu dünn und
synthetisch-käsig, aber das ist wohl Geschmackssache. Von dieser
kleinen Beschwerde abgesehen handelt es sich hier um ein unterhaltsames
Live-Album, dessen eklektischer Inhalt sicher nicht jedermanns Sache
sein wird; mir macht's Spass!
BABYBLAU REVIEWS-FRENCH TV: INTESTINAL FORTITUDE
French TV ist das Projekt des
amerikanischen Bassisten Mike Sary. In den mittlerweile 16 Jahren ihres
Bestehens haben French TV fünf Platten, von denen Intestinal Fortitude
die Nr. 4 ist, eingespielt, erwartungsgemäß jeweils mit größeren
Abständen. Musikalisch paßt man am ehesten in die Kategorie "Fusion",
d.h. es werden starke Jazz-Elemente
eingebracht."Intestinal Fortitude" unterscheidet sich von den
vorherigen French TV Werken zum einen dadurch, daß erstmals auch Stücke
mit Gesang vorhanden sind, zum anderen durch die Einstreuung leiserer,
lyrischer Sequenzen in die ansonsten ziemlich schräge Musik. Bestes
Beispiel hierfür ist der 14-minütige Titel "Perseids",
dessen langer, von akustischer Gitarre und Flöte dominierter Mittelteil
gelegentlich an ältere Camel-Werke erinnert. Für den klassischen French
TV Sound stehen Titel wie "Um Tut Sut" (derartige Songtitel haben bei
French TV Tradition), von der ersten Sekunde an ein Feuerwerk schräger
Rhythmen mit ständigen Wechseln.Interessant
auch die Coverversion des Van der Graaf Generator Titels "Pioneers over
C". Schlagzeuger Bob Douglas fungiert hier auch als Sänger, und seine
Stimme kann sich durchaus sehen (bzw. hören) lassen.
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